AUFERWECKUNG  des  LAZARUS
Lazarus – Samstag

zu feiern am Vortag des Einzugs des Herrn in Jerusalem

 

Възкресение Лазарево - Икона от гр. Банско

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesung:   Hebr 12: 28 - 13: 8                                                        EVANGELIUM:   Joh 11: 1 - 45
Um schon vor Deinem Leiden
die gemeinsame Auferstehung zu bezeugen,
hast Du Lazarus von den Toten auferweckt,
Christos Gott.

Darum tragen auch wir, wie damals die Kinder,
die Zeichen des Sieges

und rufen Dir zu,   dem Besieger des Todes:
" Hosanna in den Höhen !

Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn !“

 

Der Lazarus-Samstag ist ein Festtag, der mit dem nachfolgenden Herrentag der Palmen durch österliche Freude und gemeinsame Troparien verbunden ist.

Die Auferweckung des Lazarus stellt für uns Gläubige eine Vorabbildung der Auferstehung Christi und aller Toten dar.   Denn man kann die Passion Christi nur recht verstehen, wenn man ihren Ausgang, die Auferstehung, im Blick hat.   Daher wird nun unmittelbar vor der Hohen und Heiligen Woche ein österliches Freudenfest gefeiert, indem wir Christos als den Besieger des Todes vergegenwärtigt schauen dürfen.

Das Tris-Hagion ist durch den Taufhymnus ersetzt, indem auch wir alle einbezogen sind:


" Alle, die ihr in Christos getauft seid,
habt Christos angezogen,
Alleluja !  "

Die Apostellesung klingt aus in die ewige Wahrheit:


" Jesus Christos ist derselbe,
gestern, heute und in die Äonen ! "


Genau gesagt endet die Fastenzeit an dem Freitag, der auf den fünften Fasten-Sonntag folgt.
Der Zeitraum der vierzig Tage ist dann vorbei.
Die Passionszeit dauert vom Ende der Fastenzeit bis zum Fest der Auferstehung.
Sie umfasst daher den Samstag, der auf den fünften Fasten-Sonntag folgt, der auch ‚Lazarus-Samstag’ genannt wird und die ersten sechs Tage der Großen Woche.


Der Lazarus-Samstag hat einen ganz besonderen Platz im liturgischen Kalender.
Er gehört nicht zu den vierzig Tagen der Fasten und auch nicht zu den Leidenstagen von Montag bis Freitag der Großen Woche.
Mit dem Palm-Sonntag verkörpert er ein kurzes und frohes festliches Vorspiel zu den folgenden Tagen der Trauer. Mit dem Palm-Sonntag verbindet ihn der Ort des Geschehens: Bethanien ist der Ort der Auferweckung des Lazarus und das ist auch der Ausgangspunkt für den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Auferweckung des Lazarus, ist auf geheimnisvolle Weise mit der Auferstehung Christi selbst verbunden; in Beziehung zu diesem Ereignis ist sie wie eine erfüllte Prophezeiung. Man kann sagen, dass an der Schwelle des Osterfestes der auferweckte Lazarus uns als der Vorläufer des über den Tod triumphierenden Jesus Christus gezeigt wird, wie in gleicher Weise an der Schwelle von Epiphanie der taufende Johannes der Vorläufer des zu offenbarenden Messias war.
Die Lesung während der Göttlichen Liturgie (Hebr 12,28-13.8) hat keinen direkten Bezug auf die Auferweckung des Lazarus.
Einer der Verse: 
"Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib" könnte - in spiritueller Auslegung - das Mitleiden Jesu mit Lazarus zeigen.
Die Epistel enthält verschiedene moralische Konzepte:
die Bruderliebe soll bleiben;   die Gastfreundschaft darf nicht vergessen werden;
die Ehe soll in Ehren gehalten werden;   den Vorstehern soll gefolgt werden.
Wer versucht ist, über diese ethischen Empfehlungen leicht hinweg zu gehen, sie zwar grund-sätzlich für wichtig zu halten, aber doch für recht banal, der sollte die drei Verse aufmerksam lesen:


" Unser Gott ist verzehrendes Feuer  ...  denn Gott hat versprochen:
  Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht ...
 Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit".


Die größten spirituellen Wahrheiten können nicht isoliert von den ganz einfachen praktischen Geboten gesehen werden, die sozusagen ihre Umsetzung im Alltag sind.

Das Evangelium (Joh 11,1-45) gibt uns einen Bericht von der Auferweckung des Lazarus.
Die Auslegung dieses Ereignisses durch die Kirche ist in den Gesängen des Orthros enthalten:

"Als Du wolltest bezeugen.... o mein Retter, die Wahrheit Deiner glorreichen Auferstehung,
erlöstest Du vom Hades den Lazarus ..."
Hier finden wir die hauptsächliche Bedeutung der Auferweckung des Lazarus:
Es war,  wie es das Troparion ausdrückt:  

Vorahnung,   ‚Zeugnis der Wahrheit’ der Auferstehung Christi,  
ein vorläufiger Beweis für die Macht Jesu über den Tod.
" Durch Lazarus, o Tod, hat Christus deine Gefangenen befreit ...
vor Deinem Tod hast Du die Macht des Todes erschüttert."

Die Kirche zieht eine Verbindung zwischen diesem Sieg Christi über den Tod und dem triumphalen Einzug in Jerusalem, der am nächsten Tag gefeiert wird:

" O Tod, wo ist dein Stachel, O Tod wo ist dein Sieg ?
Wir bringen die Palmzweige dem jubelnden Sieger ... 
Darum tragen wir auch  -wie die Kinder in Jerusalem- die Zeichen des Sieges
und jubeln Dir zu, des Todes Besieger."

In zweiter Linie kündigt die Auferweckung des Lazarus die Auferstehung der Toten an,
die eine Folge der Auferstehung Jesu ist:

"Die Auferstehung aller vor Deinem Leiden verbürgend,
wecktest Du Lazarus von den Toten auf ...
indem Du, der Spender des Lebens, in ihm die Auferstehung der Welt gleichsam verbürgtest ... Deine Auferstehung, Wort, in Wahrheit uns verbürgend,
hast wie aus dem Schlafe Du den toten Freund ... erweckt".

Der Lazarus-Samstag ist in gewisser Weise das Fest der Überwindung des Todes.
Als unser Herr Martha wegen ihres Zweifels sanft zurechtwies, gab Er uns eine wertvolle Lehre über unsere eigenen Toten, denn als Er zu ihr sagte:
"Dein Bruder wird auferstehen", antwortete sie: "Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag" und Jesus sagte darauf: " Ich bin die Auferstehung".  Jesus deutet an, dass die Auferstehung eine Tatsache der Gegenwart ist, denn Er Selbst ist (und verursacht nicht bloß) die Auferstehung und das Leben.
Unsere Toten leben durch und in Christus. Ihr Leben ist eng verbunden mit der persönlichen Gegenwart Jesu und verwirklicht sich in ihr. Wenn wir uns im Geiste mit einem lieben Toten zu vereinen trachten, sollten wir nicht versuchen ihn in unserer Phantasie wieder zu beleben, sondern uns mit Jesus in Verbindung zu setzen  -  in Jesus werden wir ihn finden.

Zum dritten ist die Auferweckung des Lazarus eine wundervolle Erläuterung des christlichen Dogmas. Sie zeigt uns, in der Person Jesu, dass menschliche und göttliche Natur vereint sind – ohne Vermischung: " Du, der Menschen Auferstehung und Leben, Christus, tratest zu des Lazarus Grab, uns Deine beiden Naturen verbürgend ..."
Denn einerseits kann in Jesus die menschliche Natur ihren Gefühlen nachgeben und um den Verlust eines Freundes weinen: "Jesus weinte. Da sagten die Juden, Seht wie Er ihn liebte!" Andererseits kann die göttliche Natur in Jesus dem Tod befehlen:
" Er rief mit lauter Stimme:   Lazarus, komm heraus!   Da kam der Verstorbene heraus ..."

Schließlich gibt die Auferweckung des Lazarus dem Sünder die Hoffnung,
dass er, obwohl spirituell tot, wieder zum Leben kommen kann:
" Wie Du Lazarus mit göttlichem Worte, Christus, erweckt, so wecke auch mich, ich bitte Dich, auf, der an vielen Sünden gestorben."
Manchmal scheint eine solch geistliche Auferweckung so unmöglich, wie die des Lazarus:
 "Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag."
Denn alles ist Jesus möglich – die Bekehrung des schlimmsten Sünders   - wie die Auferweckung der Toten:   " Nehmt den Stein weg! "

Das also können wir an diesem Samstag lernen, wenn wir nach Bethanien gehen zum Grab des Lazarus. Wir wollen Jesus in Bethanien begegnen und mit ihm  -und ihm nahe-   die Große Woche beginnen. Jesus lädt uns dorthin ein und wartet auf uns. "Martha rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen." Und Maria "als sie das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm."
Der Herr ruft mich. Er will bei mir bleiben und mich die ganzen Tage Seines Leidens nicht verlassen. An diesen Tagen will Er sich mir neu und überwältigend offenbaren   – dem, der vielleicht "schon riecht".   Herr, ich komme !


Aus: “The Year of Grace”  A Monk of the Eastern Church,  A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992,  p125f.       hier übersetzt durch *St. Andreas Bote* herausgegeben von der deutschsprachigen Gemeinde des bayerischen Vikariats der Griechischen Orthodoxen Metropolie von Deutschland